Logo der Geiger-Gruppe und von Waldstücke auf Holzkanteln.

Flaschenöffner als Weihnachtsgeschenk für tolle Mitarbeiter

Der Nikolaustag war dieses Jahr ein ganz besonderer für die Mitarbeiter der Geiger-Gruppe in Nürnberg. Denn Eva, die Geschäftsführerin und echt coole Socke, hat sich was tolles einfallen lassen. Und zwar gab es ein Nikolauspaket mit edlen Flaschenöffnern und süßen Getränken für die tollsten Mitarbeiter überhaupt, so Eva! In diesem Bericht zeige ich euch, wie es zu der Idee kam und wie diese dann umgesetzt wurde.

Die Ideenfindung für das Mitarbeitergeschenk

Eva kam bereits vor knapp einem Jahr auf mich zu und hatte mich gefragt ob ich einen größeren Auftrag überhaupt annehmen würde, da es sich hier um mehr als 150 Flaschenöffner handeln würde. Nach langem überlegen, da ich einen so großen Auftrag noch nicht durchgeführt hatte, habe ich zugestimmt. Denn auch für mich ist es eine echte Herausforderung und ich werde nach diesem Auftrag sehen, ob ich die Drechseleisen erstmal an den Nagel hänge oder noch Bock drauf hab. Anschließend verging noch etwas Zeit bis wir dann in die tatsächliche Planung übergegangen sind. Im August haben wir uns dann wieder abgestimmt und dann ging es auch schon in die heiße Phase. Ich habe für Eva einige Flaschenöffner gedrechselt und mit dem Firmenlogo versehen, diese habe ich ihr dann als Muster verschickt und war wie auf Kohlen gesessen, bis das Feedback bei mir eingegangen ist. Die erfreuliche Nachricht – die anderen Geschäftsführer und Abteilungsleiter der Firma finden die Idee super und würden das ganze gerne durchziehen. Das war für mich der Startschuss. Zum einen war ich sehr aufgeregt, da ich, wie bereits erwähnt einen derart großen Auftrag noch nicht hatte auf der anderen Seite hatte ich Angst, da man ja eine gewisse Erwartung erfüllen muss. Als Deadline haben wir uns auf eine Woche vor dem Nikolaustag geeinigt, da neben den Flaschenöffnern noch weitere Kleinigkeiten in der Geschenktüte verpackt worden sind. Und dann habe ich mich auch schon in die Werkstatt geschwungen und mit den Vorbereitungen begonnen.

Ein Bild der fertigen Geschenke für die Mitarbeiter der Geiger-Gruppe.
Die fertigen Geschenkpakete für die Mitarbeiter.

Die Herstellung der Flaschenöffner

In diesem Abschnitt wird es etwas handwerklicher und staubig. Ich beschriebe wie ich die Flaschenöffner von der rohen Holzbohle bis zum fertigen Unikat geschaffen habe und auf welche Details man beim Sägen, Bohren, Drechseln oder auch dem Lasern achten muss.

Die Späne auf der Drechselbank von unterschiedlichen Hölzern und damit unterschiedlichen Farben.
Die unterschiedlichen Farben der gedrechselten Hölzer als Späne auf der Drechselbank.

Auswahl der überwiegend regionalen Holzarten

Bei der Wahl der Holzart konnte ich relativ frei entscheiden welche ich empfehlen würde. Da die Geschmäcker verschieden sind habe ich mich bewusst für eine große Auswahl der Holzarten entschieden. Hier habe ich Fichte, amerikanischen Nussbaum, Eiche, Ahorn, Esche, Hainbuche (Weißbuche), Buche und Kirsche ausgewählt. Was es mit den jeweiligen Holzarten auf sich hat und wo diese Hölzer her kommen, erfährst du im letzten Kapitel, denn es gibt zu jedem Holz noch eine ganz eigene Geschichte die erzählt werden muss. Die Kirsche fehlt leider in der nebenliegenden Übersicht. Eine Holzart ist vermutlich aus dem Jahr 1880 aber ich möchte nicht zu viel verraten.

Fichte, am. Nussbaum, Eiche, Ahorn, Esche, Hainbuche und Buche wurden als Holzsorten gewählt.
Auswahl der unterschiedlichen Holzarten.
Stirnseiten von Fichte, am. Nussbaum, Eiche, Ahorn, Esche, Hainbuche und Buche.
Die Stirnseiten der Holzarten.


Vorbereitung der Kanteln für das Drechseln

Bevor man einfach drauf los arbeitet muss man sich doch mal die ein oder anderen Gedanken machen. Wie viele Kanteln braucht man von welcher Sorte, wieviel bekommt man aus dem ein oder anderem Bohlen oder Holzklotz raus. Zudem sollte das Holz bereits trocken sein, nicht das der Öffner später kaputt geht, weil er sich noch verzieht durch weiteres Trocknen. Ich habe mir eine Liste erstellt wie viel Öffner ich von jeder Holzsorte brauche und dann entsprechend die Bohlen und Klötze bereitgelegt. Diese Gedanken habe ich mir aber tatsächlich schon vor der Lieferung der Musteröffnern gemacht, denn man möchte ja auch das liefern, was man verspricht.

Sägen der Bohlen zu Kanteln

Da die Form der Öffner relativ schlicht ist und wir keine großen Rundungen oder Knubbel am Öffner haben reicht ein Ausgangsmaß von 25mm auf 25mm. Dementsprechend wurde meine Bandsäge angeschmissen und die Kanteln vorbereitet. Die Kanteln habe ich anschließend noch auf eine Länge von ca. 160mm ab gelängt. Die Buche-Kanteln musste ich vor dem Ablängen noch für ca. 3 Stunden in den Backofen bei ca. 80°Grad durchbacken. Denn es war nicht ausgeschlossen, dass sich im Holz noch Schädlinge befinden. Nach dem Backen ist das Holz aber auf jeden Fall wurmfrei und kann bedenkenlos verwendet werden. Nun waren die ganzen Kanteln für den nächsten Arbeitsschritt fertig.

Die Hammer Bandsäge mit den bereits gesägten Kanteln im Hintergrund.
Auftrennen der Bohlen und Kanteln auf 25x25mm mit der Bandsäge
Der Querschnitt der gesägten Eschenbohlen. Man sieht eine schöne Maserung.
Querschnitt einer Kerneschenbohle, welche für die Kanteln zersägt wurde.
Verschiedene Holzarten in Kantelform.
Fertige Kanteln die nur noch auf Länge gesägt werden müssen.
Die Buchenkanteln im Backhofen für die Schädlingsbelämpfung.
Buche mit Wurmbefall wird für ca. 3 Stunden bei 80°Grad gebacken.

Vorbohren der Holzkanteln

Nachdem alle Kanteln gesägt wurden, müssen diese mit dem Loch für den Flaschenöffnerkopf versehen werden. Hierfür habe ich bei jeder Kantel auf beiden Seiten erstmal mit einem Mittenfinder die Mitte markiert. Anschließend habe ich mit einem Körner die Mitte nochmals gekörnt. Für das Vorbohren der Flaschenöffner habe mich mir spezielle Spannbacken für mein Spannfutter gekauft. Am Bohrer habe ich eine Markierung angebracht, wie tief man in das Werkstück bohren kann. Dies ist praktisch, gerade wenn man mehrere Öffner am Stück macht. Hier sollte sehr auf die Drehzahl der Drechselbank geachtet werden, dass diese nicht zu schnell bzw. zu langsam ist. Beim Bohren entstehen teilweise wunderschöne Späne, wie man im darunterliegenden Bild gut sehen kann.

Eschenkanteln bei dem mit einem Körner die Mitte markiert wurde.
Bei den Kanteln mit dem Körner die Mitte markiert.
Die Killinger Drechselbank mit dem Spezialbackenfutter für das Bohren der Löcher.
Mithilfe der Bohrbacken die Kanteln vorbohren.
Der Bohrer und eine Eschenkantel.
Bohren der Kantel mit der Markierung am Bohrer.
Zwei Buchen-Späne, welche aussehen wie Würmchen.
Wunderschöne Späne beim Vorbohren.
Verschiedene Holzarten mit bereits gebohrten Löchern.
Unterschiedliche vorgebohrte Kanteln.

Drechseln der Flaschenöffner

Nachdem die Kanteln gesägt, gekörnt und gebohrt worden sind, können diese nun endlich gedrechselt werden. Hierfür wird die Drechselbank etwas umgerüstet. Und zwar wird das Spannfutter abgeschraubt und es kommt ein MK2-Vielzackmitnehmer an die Antriebswelle. Auf der Gegenseite, dem Reitstock, kommt eine mitlaufende Körnerspitze zum Einsatz. Für das Drechseln verwende ich eigentlich zwei bis drei Werkzeuge. Für die grobe Arbeit kommt eine flach geschmiedete Schruppröhre zum Einsatz. Mit dieser Röhre wird das Werkstück rund gedrechselt. Anschließend kommen noch zwei Meißel zum Einsatz. Je nach Schnitt ein breiter oder weniger breiter Meißel. Mit dem Meißel wird dem Flaschenöffner-Unikat seine finale Form gegeben. Stück für Stück wird hier abgenommen, hier entstehen ebenfalls wunderschöne Späne – vergleichbar mit sehr langen dünnen Spaghetti. Wer mit dem Meißel geübt ist, muss die entstandene Oberfläche nicht einmal mehr schleifen.

Die Drechselbank von oben und dem Vielzackmitnehmer und der mitlaufenden Körnerspitze.
Die Killinger Drechselbank mit dem Vielzackmitnehmer
und der mitlaufenden Körnerspitze.
Eine Buchenkantel mit sichtbaren Fräßgängen von Würmern.
Eine Kantel aus Buche mit ehemaligen Wurmbefall.
Fertiger Buchengriff mit sichtbaren Fräßgängen von Holzwürmern.
Der gedrechselte Rohling bereit fürs Lasern.
Wunderschöne Drechselspäne vom Meißel.
Die Drechselspäne vom Meißel
Drechseln von Flaschenöffnern im Zeitraffervideo. Wurmlöcher der Buche werden mit einem spitzen Gegenstand gesäubert und ausgeblasen.
Eine Holzmaserung welche aussieht wie das Gesicht von Scream.
Ein witziges Gesicht (Scream) in einem Eichen-Rohling.

Anbringen der Schräge an den Öffner-Griff

Nachdem die Flaschenöffner-Griffe gedrechselt wurden habe ich mit der Bandsäge die Schräge angebracht. Hierfür habe ich mir eine Vorrichtung gebaut, um immer die selbe Schräge zu erreichen. Nachdem die Schräge angebracht wurde, wird die Stirnseite mit dem Bandschleifer geschliffen und anschließend die Kanten entgratet, wie man im Metallbau sagen würde. Nun ist der Griffrohling fertig. Doch was fehlt jetzt noch? Genau – die Gravur des Firmenlogos!

Vorrichtung für das Abtrennen der Flaschenöffnergriffe.
Vorrichtung an der Bandsäge für das Anbringen der Schräge.
Eine Kiste mit allen abgetrennten Griffstücken für die Unikat-Flaschenöffner.
Die Abschnitte der Flaschenöffner-Rohlinge.
Die fertige Schräge am von Hand gedrechselten Flaschenöffner-Griff
Fertige Schräge eines Flaschenöffners aus Eiche.

Das Einbrennen des Firmenlogos mit dem Laser

Für das Lasern habe ich einen kleinen aber feinen Laser im Einsatz. Dieser kann auf einer Fläche von 15x15cm Lasern. Hierfür habe ich mir ebenfalls wieder eine Vorrichtung gebaut, um stets die Mitte des Griffes korrekt zu treffen. Der Laser arbeitet je Einstellung mit einer unterschiedlichen Anzahl von mW(Milliwatt). Hier muss man je nach Holzart etwas variieren. Eine Fichte lasert sich, erstaunlicher Weise, schlechter als eine Eiche. Da die Jahresringe bei der Fichte von einer sehr unterschiedlichen Härte sind. Nach dem Lasern entsteht ein, so nenne ich ihn, Brandgrat um das gelaserte Logo. Diesen muss man im Anschluss noch weg schleifen, dass ein sauberes und ordentliches Laserbild entsteht. Aus diesem Grund werden meine handgefertigten Flaschenöffner auch erst nach dem Lasern mit der Oberflächenbehandlung versehen, aber dazu später mehr.

Ein Laser mit einer Vorrichtung. Das Logo wird gebrannt.
Mein NEJE-Laser mit der entsprechenden Vorrichtung.
Die Unterschiede vor und nach dem schleifen nachdem das Logo gebrannt wurde.
Oben mit Brandgrat und unten bereits entfernt.
So schaut das Logo schaut sauber aus.
Der Arbeitsplatz beim Schleifen der gebrannten personalisierten Logos.
Entfernung des Brandgrats bei jedem Flaschenöffner von Hand.

Die richtige Wahl für die Oberflächenbehandlung

Nun sind alle Griffe fertig gedrechselt und geschliffen. Nun geht es an die Oberflächenbehandlung. Hierfür verwende ich ein Gemisch aus natürlichem Öl und Wachs. Das Öl dringt tiefer ins Holz ein und feuert die Farbigkeit des Holzes an. Dann kommt die Maserung gleich viel besser zur Geltung und die wahre Schönheit kann sich entfalten. Das Wachs ist dann für den Schutz der Oberfläche. Da ein Flaschenöffner hoffentlich oft gegriffen wird und auch das ein oder andere mal im Bier oder anderen Flüssigkeiten schwimmt, sollte dies dem Holz natürlich so wenig wie möglich ausmachen. Nach meiner bisherigen Erfahrung klappt diese Kombination bislang sehr gut. Die Öffnergriffe werden mit dem Gemisch eingerieben und anschließend für ein paar Tage zum trocknen gehängt. Dieser Vorgang wird in der Regel wiederholt, dass die Oberfläche gut geschützt ist und die Maserung zur Geltung kommt. Nachdem die letzte Ölung durchgeführt wurde, kann es bis zu zwei Wochen dauern bis das Wachsgemisch ausgehärtet oder soweit getrocknet ist, dass es keine Ölflecken an die Umgebung abgibt.

Flaschenöffner-Griffe aus Eiche beim Trocknen.
Halterung zum Trocknen für die Flaschenöffner.
Ölen der Flaschenöffner im Zeitraffer. Nicht wundern, ich habe lediglich Handschuhe angezogen, dass ich danach nicht überall Öl-Flecken habe. 🙂
Nahaufnahme von Eichenflaschenöffnern beim Trocknen nach dem Ölen.
Frisch geölt und gewachste Flaschenöffnergriffe aus Eiche.

Die Hochzeit – Zusammensetzen der Teile

Nach sehr vielen Arbeitsschritten und einigen Tagen der Trocknung ist der Griff für den Flaschenöffner nun endlich fertig. Jetzt kommt es endlich zur Hochzeit, wie man in anderen Branchen üblich sagt, wenn das Herzstück eingesetzt wird. Die Rohlinge für den Metallkopf kaufe ich selbst zu, da ich diese nicht fertigen kann. Wenn diese bei mir eintreffen müssen diese noch für die Verarbeitung vorbereitet werden, diese müssen zum einen auf gute Qualität untersucht werden, denn es kam auch schon vor, dass hier fehlerhafte Stellen im Metall vorhanden waren. Zudem muss der Zapfen der im Holz verschwindet angerauht werden, dass sich dieser mit dem Kleber besser verbinden kann. Als Kleber verwendet ich einen Wasserfesten Klebstoff. Dieser darf nicht locker wird, wenn der Öffner mal im Bier oder anderen Flüssigkeiten schwimmt. Nachdem die beiden Teile verleimt wurden, muss auch der Kleber wieder eine gewisse Zeit trocknen und aushärten bis er die volle Kraft entfalten kann.

Flaschenöffner Rohlinge auf einem Karton.
Rohlinge der Flaschenöffner-Kopfe in klassischem mattem Design.
Fertige Flaschenöffner aufgereiht nach der Hochzeit von Griff und Öffnerkopf.
Die fertigen Flaschenöffner aus Hainbuche (hinten), Eiche (links) und Nussbaum (rechts)

Umweltbewusste Verpackung der Flaschenöffner

Die Flaschenöffner sind nun endlich fertig! Wer jetzt aber denkt, dass die Arbeit schon getan ist – weit gefehlt. Denn ein Waldstück muss auch entsprechend verpackt sein. Meine Waldstücke werden in recyceltem Papier eingewickelt und mit einem kleinen Anhänger aus weiterem Recyclingpapier mit Garn versehen. Auf diesem Anhänger sind alle wichtigen Informationen versehen. Wo kommt das Holz her? Aus welchem Holz wurde dieser Öffner gemacht? Und falls der Flaschenöffner einmal fotografiert und in den Onlineshop gestellt wurde, sogar die Unikat-Nummer. Diese Unikate bleiben dann für immer im Onlineshop, auch wenn sie verkauft wurden, bleibt die Seite mit den ganzen Informationen zum Öffner erhalten.

Nachhaltige Flaschenöffner Verpackung mit allen Informationen.
Verpackung in Recyclingpapier und Anhänger mit allen Informationen
Einpacken der Flaschenöffner und versehen
mit dem Info-Anhängerschild.
Aufkleber für Paketsendungen mit Nachhaltigkeits-Hinweis.
Ich verwende ausschließlich Kartons, die schon mal für eine Lieferung verwendet wurden.

Persönliche Übergabe der Flaschenöffner

Nach einigen Wochen Arbeit war der Auftrag nun endlich fertig, ich war sehr erleichtert. Da ich ja, wie eingangs erwähnt, doch etwas Angst davor hatte. Aber mir ist während des ganzen Projekts nicht die Lust am Drechseln vergangen – gut, hätte mich auch gewundert… :-D. Da ich bislang Eva nur über das Internet und sehr freundliche Telefonate und Videochats kennen lernen durfte, hatte ich mich dazu entschieden die Flaschenöffner persönlich nach Nürnberg zu bringen. Ich habe mir also einen Tag frei genommen und bin nach Nürnberg gedüst. Dort wurde ich dann schon freundlich empfangen. Eva war so lieb und hat mir eine große und sehr informative Führung durch das Unternehmen gegeben, so konnte ich auch einen Einblick in ihre tägliche Arbeit bekommen. Wirklich interessant in welchen Gegenständen und Maschinen Bauteile der Geiger-Gruppe versteckt sind – ich weiß nicht ob ich es verraten darf, aber auch du hast mindestens ein solches Bauteil zu Hause! Mein Fazit: Es war auf jeden Fall richtig nach Nürnberg zu fahren. So habe ich Eva endlich mal persönlich kennen gelernt und einen großen Auftrag mit einem sehr guten Gefühl abgeschlossen. So, wenn dann jetzt schon Nikolaustag wäre…

Der Tag der Übergabe

Am Nikolaustag war ich, obwohl ich keinerlei Einfluss mehr nehmen konnte, so aufgeregt. Ich konnte Nachts kein Auge zumachen. Ich war so gespannt was die ganzen Mitarbeiter zu den Waldstücke-Unikaten sagen würden. Irgendwann hatte ich es nicht mehr ausgehalten und habe Eva gefragt wie es denn so läuft und wie soll ich sagen – die Überraschung war geglückt! Die Mitarbeiter haben sich sehr gefreut. Vor allem, als sie gemerkt haben, dass es keine 0815-Produkte waren, sondern wirklich jeder Flaschenöffner individuell und aus einem unterschiedlichen Holz gemacht wurde. Ein Mitarbeiter hat ihr Abends dann sogar noch mitgeteilt, dass er einen Öffner aus Eiche bekommen hat und sein Esszimmertisch auch aus Eiche sei und es nicht hätte besser passen können. In diesem Moment ist mir ein riesiger Stein von Herzen gefallen. Dies ist der Moment in dem man merkt, warum man das eigentlich alles macht, man macht Menschen eine Freude.

Geschichten und Herkunft der Holzarten

Wie im ersten Kapitel versprochen gibt es neben der bisherigen Geschichte zwischen der Geiger-Gruppe und Waldstücke schon eine Vorgeschichte zu den jeweiligen Hölzern. Und diese möchte ich euch nun je nach Holzart erzählen.

Das Fichtenholz aus Sassenreuth

Das Fichtenholz stammt aus einem Dachstuhl eines alten Bauernhauses in Sassenreuth mit dem Hausnamen ‚Weberhesl‘. Ein junges Pärchen hat sich diesen alten Bauernhof gekauft und komplett saniert/renoviert und wieder bewohnbar gemacht. In diesem Zuge wurde auch ein Teil des Daches neu gemacht und alte Balken mussten weichen. Die Balken in diesem Dachstuhl waren ca. 140 Jahre alt. Denn im Jahr 1880 soll das Haus einmal abgebrannt sein und deshalb wird vermutet, dass in diesem Zuge ein neuer Dachstuhl auf das Haus kam. Das junge Pärchen hat mich gebeten aus den alten Balken Flaschenöffner für alle helfenden Hände der Renovierung zu machen. Sie haben mir allerdings so viel alte Balken gegeben, dass ich daraus noch weiteres Holz retten konnte. Dieses Holz hat wohl die älteste Geschichte. Zu diesem Holz wird es bald noch eine eigene Geschichte auf meiner Webseite geben.

Das Ahornholz aus Schwarzenbach a.d.S.

Das Ahornholz stammt aus einer Schreinereiauflösung in Schwarzenbach. Durch Zufall bin ich auf eine Zeitungsanzeige gestoßen, in welcher die
Auflösung bekannt gegeben wurde. Der Schreiner musste seine Werkstatt leider aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Er hatte aber noch einige Ahornbohlen im Holzlager die er zu Brennholz verarbeitet hätte, sollte sie keiner kaufen. Der Ahorn hatte eine schöne Maserung und teilweise etwas schimmernden Riegel (so nennt man Wellen im Holz, welche quer zur Holzfaser verlaufen), so dass ich die Bohle gekauft habe. Das Holz war bereits trocken und kann sofort verarbeitet werden. Gerade zum Lasern eignet es sich sehr, da der Kontrast sehr hoch ist.

Das Holz der Hainbuche (Weißbuche)

Das Holz der Hainbuche stammt von einem sehr bekannten Werkzeughersteller Namens „Klemmsia – Das Original von Dünnemann“. Die berühmten Holzzwingen werden aus Hainbuche oder auch Weißbuche genannt, hergestellt. Der Werkzeughersteller verkauft gelegentlich Abschnitte und Holzreste, die für die Produktion nicht mehr benötigt werden. Da ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nie Hainbuche gedrechselt habe, habe ich mir auch solche Restepakete gekauft. Das Holz der Hainbuche ist unheimlich schwer und stabil, aus diesem Grund wird es auch für die Zwingen verwendet. Im Vergleich zum Ahorn, welcher ebenfalls sehr hell ist, hat Hainbuche noch Riefen in der Maserung, ähnlich wie bei der normalen Buche. Das Holz der Hainbuche war bereits getrocknet und kann sofort verarbeitet werden.

Das Holz der Eiche und des Nussbaumes

Das Holz der Flaschenöffner aus Eiche und des Nussbaumes stammt aus der selben Schreinerei. Die Schreinerei aus Kupferberg ist spezialisiert auf Massivholzmöbel im Schlafbereich wie Betten, Kommoden und Schränke. Hier wird sehr auf die Nachhaltigkeit und Holz-Zertifizierung geachtet. Bei der Produktion dieser Möbel fallen sehr viele Abschnitte an, welche als Brennholz verkauft werden. Da hier sehr edle Hölzer verarbeitet werden, finde ich es sehr schade, dass diese dem Ofen zugeführt werden, obwohl man ja noch viel draus machen kann. So habe ich mir den ein oder anderen Kubikmeter gemischtes Hartholz gekauft und schenke dem Holz nun nochmal neues Leben. Hier gab es Mischkisten mit Buche, Eiche, Nussbaum oder Ahorn. Das gekaufte Holz war ebenso schon trocken und könnte sofort verarbeitet werden.

Das Eschenholz aus Falls bei Gefrees

Das Holz der Esche stammt aus Falls, einem kleinen Dorf bei Gefrees. Dort wurden auf einem Bauernhof einige Eschen gefällt, dies ist nunmehr 20 Jahre her. Dieses Holz wurde damals zu Bohlen aufgesägt und auf einem Scheunenboden eingelagert. Durch eBay-Kleinanzeigen bin ich auf den Verkauf dieser Eschenbohlen aufmerksam geworden. Das außergewöhnliche war hier, dass die Bohlen eine Stärke von 80mm hatten, denn das übliche Schreinermaß sind meistens maximal 60mm. Da eine Stärke von 80mm jedoch ideal für Gewürzmühlen ist, habe ich zugeschlagen und die Bohlen gekauft. Diese Esche hatte einen schönen ausgeprägten Kern, welcher bei Eschen nicht immer vorhanden ist. Dieser Kern unterscheidet sich in der Helligkeit des Holzes zum normalen Stammholz. Dieser Typ wird auch oft als Kernesche bezeichnet. Das Holz der Esche war nunmehr auch schon über viele Jahre abgelagert und trocken.

Das Holz der Rotbuche aus Friedmannsdorf

Das Holz der Rotbuche stammt aus Friedmannsdorf bei Zell in Oberfranken. Hier stand vor vielen Jahren eine große Buche am ortsansässigen Schützenhaus. Diese musste gefällt werden. Da man damals nicht wusste, was man damit machen soll, hat man sich dazu entschlossen die Buche zu Bohlen aufzusägen und einzulagern und so geschah es auch. Doch dann wurden diese Buchenbohlen für viele Jahre auf einem Scheunenboden vergessen. Dort haben sich dann Holzwürmer darüber her gemacht. Der Besitzer von der Scheune hat mich dann vor einem Jahr angerufen und gefragt ob ich damit was anfangen könne, da es sonst durch den Holzhäcksler wandert und Hackschnitzel draus gemacht werden. Ich traute meinen Augen nicht, als ich diese Buche mit wunderschönen Fräsgängen und tollem Farbspiel durch die ersten Stockungen gesehen hatte. So habe ich mir ein paar Buchenbohlen auf Seite gelegt. Da die Holzwürmer noch immer in der Rotbuche gelebt haben, muss ich nun jedes Waldstück, dass aus diesem Holz entsteht im Backofen für einige Stunden durchbacken, dass alle Würmer durch die Eiweißgerinnung sterben. So ist sichergesetllt, dass diese Schädlinge keinen weiteren Schaden am Flaschenöffner oder anderen Holzmöbeln anrichten.

Das Kirschholz aus Ahorntal

Die Kirsche stammt von einem Arbeitskollgen aus dem Ahorntal. Der Baum stand viele Jahre im Innenhof des Anwesens der Vorfahren und wurde irgendwann gefällt. Anschließend wurde dieser zu stärkeren Brettern verarbeitet und auf dem Schupfenboden gelagert. Dort wurden diese Bretter über viele Jahre getrocknet. Nachdem mein Kollege von meiner Tätigkeit als Drechsler erfahren hat, hatte er mir einen Bohlen verkauft, da er vermutlich keine adäquate Verwendung dafür gehabt hätte.

Fazit zu diesem außergewöhnlichen Projekt

Ich bin froh und dankbar, dass der Kontakt zu Eva und der Geiger-Gruppe entstanden ist und ich mich getraut habe diesen Auftrag anzunehmen. Über mich selbst konnte ich feststellen, dass selbst nach dieser hohen Anzahl von Flaschenöffnern ich immer noch richtig Lust hatte, zu drechseln. Das war ein gutes Zeichen. Zudem freut es mich wirklich sehr, dass die Mitarbeiter zufrieden sind und sich auch gefreut haben. Es gibt kein schöneres Gefühl wenn man jemanden glücklich machen kann. Zudem sieht man an diesem Projekt wieder, welche Geschichte oft in so einem kleinen Stück Holz stecken kann. Das eine ist schon über 150 Jahre alt, das Andere wird nach vielen Jahren als Baum und dann nach langer Lagerung vom Ofen gerettet. Ich bin dankbar und froh, mehr gibt es hierzu eigentlich nicht zu sagen.

Ich hoffe euch hat dieser etwas ausführliche Bericht gefallen, dann schreibt doch kurz einen Kommentar, schreibt mir bei Instagram Bescheid oder teilt ihn einfach mit den unten stehenden Buttons. Dann werden derartige Berichte mit Sicherheit öfter kommen. Und wie es sich gehört mach ich jetzt erstmal ne kleine Pause!

Andi macht Pause in der Werkstatt mit Kaffee und Gebäck.
Pause ist wichtig! Eine Schoko-Vanille-Tasche mit nem guten Kaffee. Mehr braucht man doch als Betriebsmittel gar nicht.

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